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KPI-DEFINITIONEN

Vanity Metrics vs. echte Business-KPIs

Im Tourismus sind nicht alle Kennzahlen gleich relevant. Hotels, Reiseveranstalter und Ferienwohnungsanbieter benötigen unterschiedliche KPIs, um Marketing- und Buchungserfolge korrekt zu bewerten.

'Wir haben 10.000 Instagram-Follower' klingt gut — sagt aber nichts darüber aus, ob das Hotel profitabel wirtschaftet. Im Tourismusmarketing ist die Unterscheidung zwischen Vanity Metrics (Kennzahlen, die gut aussehen) und echten Business-KPIs (Kennzahlen, die Entscheidungen ermöglichen) fundamental.

VANITY METRICS

(sehen gut aus, zeigen aber keine Geschäftswirkung):

Follower-Anzahl auf Social Media
Rohe Webseitenbesuche ohne Conversion-Kontext
Impressions von Google-Anzeigen
Anzahl veröffentlichter Blog-Artikel

ECHTE BUSINESS-KPIs

(ermöglichen Entscheidungen):

Direct Booking Rate (Anteil Direktbuchungen an Gesamtbuchungen)
Cost per Booking nach Kanal (was kostet eine Buchung wirklich?)
RevPAR (Einnahmen pro verfügbarem Zimmer)
ROAS (Return on Ad Spend) nach Werbekanal
Customer Lifetime Value (Gesamtwert eines Gastes über alle Aufenthalte)

Revenue KPIs

Die Sprache des Controllings

RevPAR — Revenue per Available Room

RevPAR ist die wichtigste Revenue-KPI im Hotelbereich. Sie misst den durchschnittlichen Ertrag pro verfügbarem Zimmer — unabhängig davon, ob das Zimmer belegt war oder nicht.

ADR — Average Daily Rate

Der durchschnittliche Zimmerpreis aller verkauften Zimmer in einem definierten Zeitraum. ADR = Gesamtlogiereinnahmen ÷ Anzahl verkaufte Zimmernächte. Eine hohe ADR bei niedriger Auslastung kann schlechter sein als eine moderate ADR bei hoher Auslastung — RevPAR als kombinierte Kennzahl ist daher aussagekräftiger als ADR allein.

GOPPAR — Gross Operating Profit per Available Room

GOPPAR geht einen Schritt weiter als RevPAR und bezieht alle Betriebseinnahmen (nicht nur Zimmer, sondern auch F&B, Spa, Parkplatz) minus alle variablen Kosten ein. Damit ist GOPPAR die genaueste Profitabilitätskennzahl — aber auch die aufwändigste zu berechnen. Empfehlung: Für Jahres-Reviews und Strategie-Entscheidungen verwenden.

BERECHNUNG: RevPAR = ADR × Auslastungsrate

Beispiel: ADR = 120 EUR, Auslastung = 75% → RevPAR = 90 EUR

ALTERNATIV: RevPAR = Gesamtlogiereinnahmen ÷ Anzahl verfügbare Zimmernächte
Beispiel: 54.000 EUR Einnahmen ÷ 600 verfügbare Zimmernächte = 90 EUR RevPAR

BENCHMARK: Deutsches Boutiquehotel (3–4 Sterne): RevPAR 60–110 EUR
Stadthotel München (4–5 Sterne): RevPAR 100–200 EUR
Ferienhotel Nordsee (Saison): RevPAR 80–150 EUR (Hochsaison), 30–50 EUR (Nebensaison)

Booking KPIs: Den Buchungskanal-Mix verstehen

Direct Booking Rate — Die wichtigste strategische KPI

Die Direct Booking Rate misst, welcher Anteil aller Buchungen direkt über die eigene Website, Telefon oder E-Mail eingeht — ohne OTA-Provision. Die branchenübliche OTA-Provision liegt bei 15–25% (Booking.com: 15–18%, Expedia: 15–25%). Eine Steigerung der Direct Booking Rate um 10 Prozentpunkte kann bei einem mittelgroßen Hotel einen Mehrumsatz von 30.000–80.000 EUR pro Jahr bedeuten.

BENCHMARKS DIRECT BOOKING RATE:

Unter 25%: Kritisch — zu hohe OTA-Abhängigkeit, dringend Direktmarketing stärken
25–35%: Durchschnitt (Branchenmittel in Deutschland ca. 30%)
35–50%: Gut — aktives Direktmarketing zahlt sich aus
Über 50%: Exzellent — starke Marke und Stammgast-Basis

Ziel für argo.berlin-Kunden: Direct Booking Rate innerhalb von 12 Monaten von unter 25% auf über 35% steigern.

AKQUISITIONSKOSTEN

Cost per Booking nach Buchungskanal

Der CPB setzt die Akquisitionskosten eines Kanals in Relation zu den generierten Buchungen. Typische CPB-Vergleiche:

Booking.com

Typischer CPB: 15-25 %
Kostenmodell: Provision pro Buchung
Besonderheit: Keine Fixkosten, aber hohe variable Kosten

Google Ads

Typischer CPB: 8-18 %
Kostenmodell: CPC × Buchungen
Besonderheit: Skalierbar und gut kontrollierbar

Meta Ads

Typischer CPB: 10-20 %
Kostenmodell: CPM × Buchungen
Besonderheit: Ideal für Awareness und Retargeting

Direktbuchung Website

Typischer CPB: 2-5 %
Kostenmodell: Anteilige Website- und IBE-Kosten
Besonderheit: Langfristig einer der profitabelsten Kanäle

Google Ads

Typischer CPB: 1-3 %
Kostenmodell: Personalkosten Rezeption
Besonderheit: Digital nur eingeschränkt messbar

Meta Ads

Typischer CPB: 0-2 %
Kostenmodell: CRM- und E-Mail-Kosten
Besonderheit: Günstigster Buchungskanal überhaupt

Marketing KPIs

Kampagnen-Performance richtig bewerten

ROAS — Return on Ad Spend

ROAS = Buchungsumsatz ÷ Werbeausgaben × 100. Ein ROAS von 400% bedeutet: Für jeden eingesetzten Euro Werbebudget wurden 4 Euro Buchungsumsatz generiert. Branchenbenchmarks für Tourismus:

Google Search Ads (Brand-Keywords): ROAS 800–2000% — sehr hoch, da Nutzer bereits das Hotel kennen
Google Search Ads (Generic Keywords, z.B. 'Hotel München'): ROAS 200–500%
Google Display/YouTube: ROAS 100–300% — Awareness-Kanal, direkter ROI niedriger
Meta Ads (Retargeting): ROAS 400–800%
Meta Ads (Prospecting): ROAS 150–400%

ROAS — Return on Ad Spend

Durchschnittliche Klickkosten auf Google Ads im Tourismus-Segment (Deutschland, 2024/2025):

'Hotel [Stadtname]': 1,20–3,50 EUR CPC
'Wellnesshotel': 2,00–4,50 EUR CPC
'Familienhotel': 1,80–4,00 EUR CPC
'Luxushotel': 3,00–7,00 EUR CPC
Brand-Keywords (eigener Hotelname): 0,30–1,20 EUR CPC

Conversion KPIs: Wo Buchungen entstehen — und verloren gehen

Website Conversion Rate

Die Conversion Rate misst, wie viele Website-Besucher tatsächlich buchen. Benchmarks für Hotels: Budget-Hotels: 0,5–1,5%, Mittelklasse: 1–2,5%, Boutique/Luxus: 1,5–3,5%. Eine Conversion Rate unter 1% ist ein klares Signal für Optimierungsbedarf: IBE-UX, Preistransparenz, Geschwindigkeit der Website oder das Angebot selbst.

IBE Completion Rate

Die IBE (Internet Booking Engine) Completion Rate misst, wie viele Nutzer, die den Buchungsprozess starten (Step 1: Verfügbarkeitssuche), die Buchung tatsächlich abschließen. Branchenstandard: 15–35%. Eine niedrige Completion Rate deutet auf Reibungsverluste hin: zu viele Pflichtfelder, unklare Preisgestaltung, mangelndes Vertrauen (fehlende Sicherheits-Zertifikate), oder — am häufigsten — ein besseres Angebot auf der OTA direkt nebenan.

Customer KPIs: Langfristige Gästebindung messen

Customer Lifetime Value (CLV)

Der CLV ist der gesamte Wert eines Gastes über alle seine Aufenthalte hinweg. Berechnung: Ø Buchungswert × Ø Buchungsfrequenz pro Jahr × Ø Gästelebensdauer (in Jahren). Ein Stammgast, der jährlich für 350 EUR bucht und 8 Jahre lang kommt, hat einen CLV von 2.800 EUR — und rechtfertigt entsprechend höhere Akquisitionsausgaben für die Erstbuchung als ein einmaliger Gast.

Net Promoter Score (NPS)

Der NPS misst die Weiterempfehlungsbereitschaft: 'Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Hotel einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?' auf einer Skala von 0–10. Promotoren (9–10) minus Detraktoren (0–6) ergibt den NPS (-100 bis +100). Ein NPS über 50 gilt im Hotelbereich als sehr gut. Messzeitpunkt: Post-Stay-E-Mail, 24–48 Stunden nach Abreise.

SEO KPIs: Organische Sichtbarkeit messen

Die wichtigsten SEO-Kennzahlen für Hotels, Reiseveranstalter und Tourismusbetriebe im Überblick.

Organischer Traffic

Messung: Sessions aus der organischen Google-Suche
Tool: GA4
Zielwert: +15–30 % Wachstum im Jahresvergleich

Keyword-Rankings

Messung: Sessions aus der organischen Google-Suche
Tool: Sistrix, SEMrush
Zielwert: Mindestens 3 Hauptkeywords in den Top 10

Sichtbarkeitsindex

Messung: Gesamte SEO-Sichtbarkeit der Domain
Tool: Sistrix
Zielwert: Positiver Trend von Quartal zu Quartal

Local Pack Visibility

Messung: Sichtbarkeit im Google Maps Local Pack
Tool: BrightLocal, Whitespark
Zielwert: Top-3-Platzierungen für lokale Suchbegriffe

Organische CTR

Messung: Klickrate aus den Google-Suchergebnissen
Tool: Google Search Console
Zielwert: Durchschnittlich über 3 %

Core Web Vitals

Messung: LCP, CLS und Ladeperformance
Tool: GA4, PageSpeed Insights
Zielwert: Alle Kennzahlen im „Gut“-Bereich

Das wöchentliche KPI-Dashboard:

Was jede Woche auf den Tisch muss

WÖCHENTLICHES MONITORING — CHECKLISTE FÜR HOTELS:

BUCHUNGEN: Buchungen diese Woche vs. Vorjahr / Vorwoche | Auslastung nächste 4 Wochen
WEBSITE: Sessions, Buchungs-Conversions, Top-Traffic-Quellen (GA4, 10 Min.)
ADS: Ausgaben, Klicks, Conversions, ROAS für aktive Kampagnen (Google Ads + Meta, 10 Min.)
REPUTATION: Neue Bewertungen (Google, Booking.com) — alle unbeantwortet beantworten (15 Min.)
SOCIAL: Reichweite letzte Woche, Top-Post, Follower-Delta (10 Min.)

Gesamtzeit: ca. 45–60 Minuten pro Woche
Empfehlung: Fester Termin montags 9–10 Uhr als Routine etablieren

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein realistisches ROAS-Ziel für Google Ads im Tourismus?

Das hängt stark vom Buchungswert und der Marge ab. Als Faustregel gilt: Ein ROAS über 300% (3:1) ist für die meisten Hotels profitabel — bei einem typischen Buchungswert von 250 EUR und Marketingkosten von ca. 80 EUR pro Buchung. Für Budget-Hotels mit niedrigem ADR können ROAS-Ziele unter 300% notwendig sein, wenn der Deckungsbeitrag pro Buchung hoch genug ist. Wichtiger als das absolute ROAS-Ziel ist der ROAS im Vergleich zum OTA-CPB: Wenn Google Ads 12% und Booking.com 18% kostet, ist Google Ads der günstigere Kanal — auch bei 'nur' 500% ROAS.

Wie messe ich den ROI von SEO-Maßnahmen?

SEO-ROI ist schwieriger zu messen als Ads-ROI, aber nicht unmöglich. Methodik: Vor-Nachher-Vergleich des organischen Traffics auf Buchungsseiten (GA4: Segment 'Organic Search' + Conversion-Filter). Zuwachs an organischen Buchungen × Buchungswert = organischer SEO-Umsatz. Diesen Wert dem monatlichen SEO-Invest gegenüberstellen. Benchmark: Ein gut implementiertes SEO-Projekt für ein Hotel amortisiert sich typischerweise nach 9–18 Monaten und liefert dann über Jahre hinweg organischen Traffic ohne variable Kosten.

Wie oft sollte ein Hotel seinen Direktbuchungsanteil analysieren?

Monatlich — im Rahmen des regulären Marketing-Reports. Und als sofortigen Alert, wenn der OTA-Anteil in einem Monat stark steigt (z.B. durch eine Booking.com-Rabattaktion oder nach Ausfall der eigenen IBE). Langfristig ist der Jahresvergleich am aussagekräftigsten, da saisonale Schwankungen ausgeglichen werden. Tools: Die meisten PMS-Systeme (Protel, Apaleo, Mews) bieten Buchungskanal-Reports — wichtig ist, dass der Kanal bei jeder Buchung korrekt erfasst wird.

Was ist ein guter Bewertungsdurchschnitt für ein Hotel auf Google?

Was ist ein guter Bewertungsdurchschnitt für ein Hotel auf Google?
Ein Durchschnitt von 4,0–4,4 Sternen gilt als gut und wettbewerbsfähig. Über 4,5 Sterne mit 100+ Bewertungen ist exzellent und wird von Google im Local Pack bevorzugt dargestellt. Unter 3,9 Sterne führt nachweislich zu Buchungsverlusten — laut einer Booking.com-Studie verliert ein Hotel mit 3,8 Sternen 20% mehr potenzielle Buchende an die Konkurrenz verglichen mit einem Hotel bei 4,2 Sternen im gleichen Preissegment. Aktives Review-Management ist damit direkt umsatzrelevant.

Wie berechnet man den Customer Lifetime Value für ein Hotel?

Formel: CLV = Ø Buchungswert × Buchungsfrequenz/Jahr × Ø Gästelebensdauer (Jahre) × Deckungsbeitrags-Marge. Vereinfachtes Praxisbeispiel: Ein Gast bucht durchschnittlich für 280 EUR, kommt 1,5 Mal pro Jahr und bleibt dem Hotel im Schnitt 5 Jahre treu: CLV = 280 × 1,5 × 5 = 2.100 EUR Umsatz. Bei 40% Deckungsbeitrag wären das 840 EUR CLV. Ein neuer Gast für 70 EUR CPA zu gewinnen ist bei diesem CLV äußerst rentabel. Die Berechnung setzt ein funktionierendes PMS-CRM-System voraus, das Buchungen je Gast trackt.