



KPI-DEFINITIONEN
'Wir haben 10.000 Instagram-Follower' klingt gut — sagt aber nichts darüber aus, ob das Hotel profitabel wirtschaftet. Im Tourismusmarketing ist die Unterscheidung zwischen Vanity Metrics (Kennzahlen, die gut aussehen) und echten Business-KPIs (Kennzahlen, die Entscheidungen ermöglichen) fundamental.
(sehen gut aus, zeigen aber keine Geschäftswirkung):
(ermöglichen Entscheidungen):
Revenue KPIs
RevPAR ist die wichtigste Revenue-KPI im Hotelbereich. Sie misst den durchschnittlichen Ertrag pro verfügbarem Zimmer — unabhängig davon, ob das Zimmer belegt war oder nicht.
Der durchschnittliche Zimmerpreis aller verkauften Zimmer in einem definierten Zeitraum. ADR = Gesamtlogiereinnahmen ÷ Anzahl verkaufte Zimmernächte. Eine hohe ADR bei niedriger Auslastung kann schlechter sein als eine moderate ADR bei hoher Auslastung — RevPAR als kombinierte Kennzahl ist daher aussagekräftiger als ADR allein.
GOPPAR geht einen Schritt weiter als RevPAR und bezieht alle Betriebseinnahmen (nicht nur Zimmer, sondern auch F&B, Spa, Parkplatz) minus alle variablen Kosten ein. Damit ist GOPPAR die genaueste Profitabilitätskennzahl — aber auch die aufwändigste zu berechnen. Empfehlung: Für Jahres-Reviews und Strategie-Entscheidungen verwenden.
Beispiel: ADR = 120 EUR, Auslastung = 75% → RevPAR = 90 EUR
ALTERNATIV: RevPAR = Gesamtlogiereinnahmen ÷ Anzahl verfügbare Zimmernächte
Beispiel: 54.000 EUR Einnahmen ÷ 600 verfügbare Zimmernächte = 90 EUR RevPAR
BENCHMARK: Deutsches Boutiquehotel (3–4 Sterne): RevPAR 60–110 EUR
Stadthotel München (4–5 Sterne): RevPAR 100–200 EUR
Ferienhotel Nordsee (Saison): RevPAR 80–150 EUR (Hochsaison), 30–50 EUR (Nebensaison)
Die Direct Booking Rate misst, welcher Anteil aller Buchungen direkt über die eigene Website, Telefon oder E-Mail eingeht — ohne OTA-Provision. Die branchenübliche OTA-Provision liegt bei 15–25% (Booking.com: 15–18%, Expedia: 15–25%). Eine Steigerung der Direct Booking Rate um 10 Prozentpunkte kann bei einem mittelgroßen Hotel einen Mehrumsatz von 30.000–80.000 EUR pro Jahr bedeuten.
Ziel für argo.berlin-Kunden: Direct Booking Rate innerhalb von 12 Monaten von unter 25% auf über 35% steigern.
AKQUISITIONSKOSTEN
Der CPB setzt die Akquisitionskosten eines Kanals in Relation zu den generierten Buchungen. Typische CPB-Vergleiche:
Marketing KPIs
ROAS = Buchungsumsatz ÷ Werbeausgaben × 100. Ein ROAS von 400% bedeutet: Für jeden eingesetzten Euro Werbebudget wurden 4 Euro Buchungsumsatz generiert. Branchenbenchmarks für Tourismus:
Durchschnittliche Klickkosten auf Google Ads im Tourismus-Segment (Deutschland, 2024/2025):
Die Conversion Rate misst, wie viele Website-Besucher tatsächlich buchen. Benchmarks für Hotels: Budget-Hotels: 0,5–1,5%, Mittelklasse: 1–2,5%, Boutique/Luxus: 1,5–3,5%. Eine Conversion Rate unter 1% ist ein klares Signal für Optimierungsbedarf: IBE-UX, Preistransparenz, Geschwindigkeit der Website oder das Angebot selbst.
Die IBE (Internet Booking Engine) Completion Rate misst, wie viele Nutzer, die den Buchungsprozess starten (Step 1: Verfügbarkeitssuche), die Buchung tatsächlich abschließen. Branchenstandard: 15–35%. Eine niedrige Completion Rate deutet auf Reibungsverluste hin: zu viele Pflichtfelder, unklare Preisgestaltung, mangelndes Vertrauen (fehlende Sicherheits-Zertifikate), oder — am häufigsten — ein besseres Angebot auf der OTA direkt nebenan.


Der CLV ist der gesamte Wert eines Gastes über alle seine Aufenthalte hinweg. Berechnung: Ø Buchungswert × Ø Buchungsfrequenz pro Jahr × Ø Gästelebensdauer (in Jahren). Ein Stammgast, der jährlich für 350 EUR bucht und 8 Jahre lang kommt, hat einen CLV von 2.800 EUR — und rechtfertigt entsprechend höhere Akquisitionsausgaben für die Erstbuchung als ein einmaliger Gast.
Der NPS misst die Weiterempfehlungsbereitschaft: 'Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Hotel einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?' auf einer Skala von 0–10. Promotoren (9–10) minus Detraktoren (0–6) ergibt den NPS (-100 bis +100). Ein NPS über 50 gilt im Hotelbereich als sehr gut. Messzeitpunkt: Post-Stay-E-Mail, 24–48 Stunden nach Abreise.
Das wöchentliche KPI-Dashboard:
BUCHUNGEN: Buchungen diese Woche vs. Vorjahr / Vorwoche | Auslastung nächste 4 Wochen
WEBSITE: Sessions, Buchungs-Conversions, Top-Traffic-Quellen (GA4, 10 Min.)
ADS: Ausgaben, Klicks, Conversions, ROAS für aktive Kampagnen (Google Ads + Meta, 10 Min.)
REPUTATION: Neue Bewertungen (Google, Booking.com) — alle unbeantwortet beantworten (15 Min.)
SOCIAL: Reichweite letzte Woche, Top-Post, Follower-Delta (10 Min.)
Gesamtzeit: ca. 45–60 Minuten pro Woche
Empfehlung: Fester Termin montags 9–10 Uhr als Routine etablieren
FAQ
Was ist ein realistisches ROAS-Ziel für Google Ads im Tourismus?
Das hängt stark vom Buchungswert und der Marge ab. Als Faustregel gilt: Ein ROAS über 300% (3:1) ist für die meisten Hotels profitabel — bei einem typischen Buchungswert von 250 EUR und Marketingkosten von ca. 80 EUR pro Buchung. Für Budget-Hotels mit niedrigem ADR können ROAS-Ziele unter 300% notwendig sein, wenn der Deckungsbeitrag pro Buchung hoch genug ist. Wichtiger als das absolute ROAS-Ziel ist der ROAS im Vergleich zum OTA-CPB: Wenn Google Ads 12% und Booking.com 18% kostet, ist Google Ads der günstigere Kanal — auch bei 'nur' 500% ROAS.
Wie messe ich den ROI von SEO-Maßnahmen?
SEO-ROI ist schwieriger zu messen als Ads-ROI, aber nicht unmöglich. Methodik: Vor-Nachher-Vergleich des organischen Traffics auf Buchungsseiten (GA4: Segment 'Organic Search' + Conversion-Filter). Zuwachs an organischen Buchungen × Buchungswert = organischer SEO-Umsatz. Diesen Wert dem monatlichen SEO-Invest gegenüberstellen. Benchmark: Ein gut implementiertes SEO-Projekt für ein Hotel amortisiert sich typischerweise nach 9–18 Monaten und liefert dann über Jahre hinweg organischen Traffic ohne variable Kosten.
Wie oft sollte ein Hotel seinen Direktbuchungsanteil analysieren?
Monatlich — im Rahmen des regulären Marketing-Reports. Und als sofortigen Alert, wenn der OTA-Anteil in einem Monat stark steigt (z.B. durch eine Booking.com-Rabattaktion oder nach Ausfall der eigenen IBE). Langfristig ist der Jahresvergleich am aussagekräftigsten, da saisonale Schwankungen ausgeglichen werden. Tools: Die meisten PMS-Systeme (Protel, Apaleo, Mews) bieten Buchungskanal-Reports — wichtig ist, dass der Kanal bei jeder Buchung korrekt erfasst wird.
Was ist ein guter Bewertungsdurchschnitt für ein Hotel auf Google?
Was ist ein guter Bewertungsdurchschnitt für ein Hotel auf Google?
Ein Durchschnitt von 4,0–4,4 Sternen gilt als gut und wettbewerbsfähig. Über 4,5 Sterne mit 100+ Bewertungen ist exzellent und wird von Google im Local Pack bevorzugt dargestellt. Unter 3,9 Sterne führt nachweislich zu Buchungsverlusten — laut einer Booking.com-Studie verliert ein Hotel mit 3,8 Sternen 20% mehr potenzielle Buchende an die Konkurrenz verglichen mit einem Hotel bei 4,2 Sternen im gleichen Preissegment. Aktives Review-Management ist damit direkt umsatzrelevant.
Wie berechnet man den Customer Lifetime Value für ein Hotel?
Formel: CLV = Ø Buchungswert × Buchungsfrequenz/Jahr × Ø Gästelebensdauer (Jahre) × Deckungsbeitrags-Marge. Vereinfachtes Praxisbeispiel: Ein Gast bucht durchschnittlich für 280 EUR, kommt 1,5 Mal pro Jahr und bleibt dem Hotel im Schnitt 5 Jahre treu: CLV = 280 × 1,5 × 5 = 2.100 EUR Umsatz. Bei 40% Deckungsbeitrag wären das 840 EUR CLV. Ein neuer Gast für 70 EUR CPA zu gewinnen ist bei diesem CLV äußerst rentabel. Die Berechnung setzt ein funktionierendes PMS-CRM-System voraus, das Buchungen je Gast trackt.